, Patricia Schwager

Und den Sommer gibt's ja doch...

Der Juni begann für mich mit dem Weltcuprennen im spanischen Valladolid. Von der kühlen Schweiz ging es ins warme Spanien und ich freute mich auf die "heissen" Rennen in Spanien. Am Weltcuprennen war es dann auch richtig heiss. Die Strecke war eher langweilig, immer auf einer breiten Strasse mit nur wenigen Richtungsänderungen. Erst die 2 kurzen Schlussrunden waren interessanter. Das Rennen lief so wie wir geplant hatten. Unsere Lotte war in einer 3er Spitzengruppe dabei und gewann das Rennen. Ich hatte einen etwas undankbaren, aber halt trotzdem wichtigen Job in der Mitte des Rennens und kam dann mit einer Gruppe ins Ziel.
Von Valladolid fuhren wir dann nach Norden ins Baskenland. Dort fand 2 Tage später das Eintagesrennen in Durango und die anschliessende 4 tägige Rundfahrt Emakumeen Bira statt. Mit dem Transfer änderte sich auch das Wetter und blieb dann die ganze übrige Woche gleich: regnerisch. Keine Sonne im Baskenland für uns obwohl die Landschaft ja eigentlich sehr schön wäre, nur bei Dauerregen sieht das immer etwas anders aus…
Das Eintagesrennen in Durango war die Vorbereitung für das Etappenrennen. Ich wurde 24. Im Etappenrennen war unser Ziel klar: Claudia fuhr auf das Gesamtklassement. Viel Teamarbeit war also gefragt. In einem der vielen Stürze auf den regenglatten Strassen, erwischte es auch eine Teamkollegin von mir und so waren wir nach 2 Tagen nur noch zu fünft. Mein Highlight war die Etappe 3b, ein 6km langes Bergzeitfahren. Auf dieser Etappe wurde ich 10. und war happy mit diesem guten Resultat. Auf der letzten Etappe machte Claudia alles klar und gewann somit die Rundfahrt.

Nach nur 4 Tagen Pause, ging es schon wieder weiter in Italien mit dem Giro del Trentino, eines meiner Lieblingsrennen. Blöderweise erwischte mich eine Erkältung 1 Tag vor dem Trentino….was natürlich überhaupt nicht ideal war. Auf der 1.Etappe mussten wir über den Mendelpass fahren und mir gelang das nächste UCI Top Ten Resultat. Da ich eine sehr rasante Abfahrt hinlegte, wurde ich 7. auf dieser Etappe. Die 2.Etappe war die einfachste vom Profil her, dafür fuhren wir 90 von den 111Kilometer in sehr starkem Gewitterregen. Es gab einen Massensprint und ich war danach auf dem 6. Rang im Gesamtklassement. Die letzte Etappe war hart, das schlechte und kalte Wetter machte aber alles noch härter. Ich fuhr mit langen Handschuhen und das im Juni!! Immerhin bot sich so eine Gelegenheit das Regentricot zu testen, eine neue Erfindung unseres Kleidersponsors Castelli.
An diesem Tag gab es nur Vollgas oder nichts für mich. Als Judith Arndt attackierte am Berg und so eine 12er Spitze entstand, konnte ich dem Tempo nicht folgen. Das Gesamtklassement war weg für mich und darum stieg ich dann auch halb erfroren aus. Super schade, aber ich musste meine Strategie sofort auf eine gute Erholung legen. Nach nur 2 Tagen Pause stand nämlich bereits das SM Zeitfahren in Kriegstetten auf dem Programm!

Für mich konnte es nur ein Ziel geben für diese Schweizermeisterschaften und dafür gab ich auch alles. Als letzte Fahrerin, startete ich auf die wellige Strecke über 21.7km. Im Ziel stellte sich aber heraus, dass ich um 0.45s geschlagen worden bin und somit wieder nur 2. wurde. Darüber war ich unheimlich enttäuscht…..eine halbe Sekunde ist so unvorstellbar wenig, aber eben doch zuviel! So hoffte ich auf mehr Glück im Strassenrennen….
Wir hatten 6 Runden (118.2km) zurück zulegen. Zu zweit traten wir gegen eine Übermacht von 2 "weissen" Teams an und alle schauten logischerweise auf uns. Wir merkten sehr bald, dass niemand wirklich etwas unternimmt um das Rennen zu gestalten. Die wellige Strecke war zudem nicht schwierig und auch ohne Wind. Darum attackierten Emilie und ich abwechselnd um eine Gruppe zu bilden. Zwei Mal war ich in einer vielversprechenden Fluchtgruppe unterwegs, nur wurden beide Gruppen wieder gestellt. Sehr unverständlich war für mich, dass sich die beiden Teams sehr oft die Lücken selber wieder zufuhren. Als Emilie wenige KM vor dem Ziel mit 2 anderen eine Lücke hatte, liess ich sie fahren. Das ist Ehrensache und ich wusste dass Emilie schnell ist im Sprint. Es ging auf!! Ich attackierte dann nochmals bei der 1000m Marke, das Feld schloss aber auch diese Lücke. Ich brauche mir aber überhaupt keine Vorwürfe zu machen, ich war sehr aktiv, habe alles versucht und freue mich auch sehr über den Sieg von meiner Teamkollegin Emilie.

Mein Fazit von dieser SM Woche: Ich galt in beiden Rennen als die Favoritin und diese Rolle ist sicher nicht nur einfach. Die Strecke kam leider meinen Fähigkeiten überhaupt nicht entgegen. Im Nachhinein muss ich festhalten, dass ich für das Zeitfahren wohl doch nicht 100% erholt war von den vielen Rennen zuvor. Ich weiss aber schon jetzt, was ich noch anders machen muss für 2011. Darum: Nächstes Jahr - nächste Chance und irgendwann muss es ja einfach klappen.
Am 2.Juli geht’s los mit dem 10 tägigen Giro Donne und darauf freue ich mich sehr! Die härtesten beiden Etappen werden Chiavenna - Malojapass - Berninapass - Livigno und am Tag darauf Livigno - Passo d'Eira - Passo di Foscagno - Stelvio sein. Das gibt sicherlich ein Spektakel…..und wir haben ein super starkes Team am Start!
Und zuletzt: endlich, endlich ist der Sommer ja doch noch gekommen!

Sportliche Grüsse

Patricia